Johanna Heinze

Wir sind Andreas und Yvonne und haben drei Töchter, die 22, 18 und 16 Jahre alt sind. Eine besondere Herausforderung in unserem Glaubensleben begann, als unsere jüngste Tochter Johanna im Dezember 2002 geboren wurde.

Nach der Geburt ging es mit der Verdauung nicht so richtig los, und Johanna ging es nicht gut, sie hatte Schmerzen. Einen Tag später musste man ihr den Bauch aufschneiden, um zu sehen, warum. Es war eine lebensbedrohliche Situation, da sie schon Schocksymptome aufwies. Während der ersten OP am Abend ging ich fast drei Stunden, wie ein Tiger im Käfig, vor dem OP-Saal auf und ab. Als der Operateur kurz vor Mitternacht herauskam, erklärte er mir, dass es nicht gut aussehe für Johanna. Ihr Dünndarm war verdreht und hatte sich von der Blutzufuhr oben und unten abgeschnitten, war in der Mitte fast schon abgestorben und es waren schon Vergiftungserscheinungen zu sehen. Er sagte, dass es eine 50-zu-50- Chance wäre, dass sie diese Nacht überlebt.

Ich sagte ihm, dass wir Christen sind und unser Vertrauen auf Gott setzen, egal was passiert. Natürlich waren wir in diesen ersten Tagen und Wochen auch ziemlich geschockt und haben viel geweint. Aber wir wurden getragen durch unseren Glauben an einen weisen Gott, durch die Gebete unserer Geschwister und die Hilfe der Ärzte und Schwestern, die Johanna behandelten.
In den darauffolgenden Monaten mussten bei Johanna in etwa zehn Operationen 90% des Dünndarms entfernt werden, und es hat drei OP’s gebraucht, bis der Darm wieder Durchgang hatte. Wir fragten den Professor, der Johanna operierte, wie viel Dünndarm sie noch hätte. Daraufhin er: „Was reden Sie denn immer von Dünndarm? Das Mädchen hat keinen Dünndarm mehr!“
Doch einige Zeit später, es war eine Zeit, in der die Gemeinde rund um die Uhr für Johanna betete, stellte man fest, dass Johanna 12cm funktionstüchtigen Dünndarm besaß. Ein kleiner Anfang, aber es würde immer noch lebenslange künstliche Ernährung und eine nicht so lange Lebenserwartung bedeuten. Eine Professorin sagte uns: „Sehen Sie mal, Johanna war ein hoffnungsloser Fall“. Sieben Monate nach ihrer Geburt konnten wir Johanna endlich mit nach Hause nehmen, mit einer Ernährungsinfusion, die wir ihr jede Nacht gaben.

Natürlich hatten wir auch unsere Fragen, warum oder wozu uns Gott in diese Situation geführt hatte. Von zwei verschiedenen Personen bekamen wir ein ermutigendes Wort, das sich auf eine Begebenheit aus dem Leben Jesu bezog: die Heilung des blindgeborenen Mannes. Dort fragten die Leute, wessen Schuld es sei, dass dieser Mann von Geburt an blind ist. Jesus sagte, dass es nicht dessen Schuld und auch nicht die seiner Eltern sei, sondern dass Gott seine Macht zeigen will. Daraufhin heilt er diesen Mann.
So haben auch wir in diesen Jahren große Wunder erlebt, Johanna ist mehrfach vor dem Tod gerettet worden und entgegen ärztlicher Aussagen gewachsen.
Aber es ist immer noch ein Weg, auf dem wir uns befinden: Johanna bekommt noch jede Nacht eine Infusion. Auch bei der Nahrung, die sie über den Mund zu sich nimmt, müssen wir sehr auf die Bestandteile achten.
Nach allgemeinem ärztlichem Ermessen wird Johanna die nächtliche Infusion für immer brauchen, mit den Risiken der Leberschädigung und Blutvergiftung. Aber einige Ärzte sind auch mit uns, die wir hoffen und glauben, dass Johanna eines Tages die Infusion nicht mehr brauchen wird.

Unser Weg kommt uns vor wie ein Marathonlauf, mit Abschnitten, an denen viele Menschen die Straße säumen, aber auch Zeiten, in denen es ziemlich einsam zugeht. Aber in dieser ganzen Zeit ist unser Vertrauen auf Gott immer mehr gewachsen, der über alles den Überblick hat. Wir lernten Geduld. Und Dankbarkeit, wie Gott in all diesen Jahren Wunder gewirkt hat und Wachstum und Gedeihen schenkt.
Wir beten jeden Tag um vollständige Heilung, und dass Gott Seine Macht zeigen wird, wie uns am Anfang zugesagt wurde. Die Herausforderung steht bis heute, und wir wissen uns getragen durch die Nähe Gottes und die Gebete vieler Geschwister, die mit uns treu im Glauben stehen. Dank sei Gott.
Im Gedicht „Spuren im Sand“ heißt es:
„Mein liebes Kind, ich liebe dich und werde dich nie allein lassen, erst recht nicht in Nöten und Schwierigkeiten. Dort, wo du nur eine Spur gesehen hast, da habe ich dich getragen.“ Das haben wir erfahren.

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